Renaturierung der Oberen Donau -
wiederum eine Chance vertan

Im Juli 2002 richtete die Arbeitsgruppe Fridingen des Bund Naturschutz Alb-Neckar einen Appell an mehrere Stellen im Naturschutzbereich, um auf die Problematik des Bronner Wehres an der Oberen Donau aufmerksam zu machen. Der Abriss des Wehres, das nur noch eine Ruine ist, wäre eine einmalige Chance, zwischen Fridingen und Beuron eine durchgehende natürliche Flußlandschaft zu schaffen, wobei ein entferntes Wehr keine Barrierewirkung für die natürlichen Bewegungsabläufe der dort ansässigen Fische mehr darstellen würde.

Von unten auf das Wehr geblicktLeider wurde von den betroffenen Stellen bis jetzt nicht darauf reagiert. Im Gegenteil. Die Bauarbeiten am geöffneten Wehr wurden eisern weitergeführt. Und das, obwohl das Land als Eigentümer des Wehres aufgrund europarechtlicher Vorschriften (FFH-RL 1992, Wasserrahmenrichtlinie 2000) und dem eigenen Integrierten Donauprogramm (DI 1994) eigentlich die Maßstäbe verantwortlichen Handelns gesetzt bekommen bzw. selbst gesetzt hat. Da am Bronner Wehr das Land Baden-Württemberg ausnahmsweise „Herr im eigenen Haus” ist (keine Verträge oder fremden Rechte im Verfahren) wäre es ein Leichtes gewesen, im Herzen des Oberen Donautals eine überzeugende Lösung nach europarechtlichen Zielsetzungen abzuliefern: den Totalabriss des Wehres, welcher sogar BNL-intern gefordert wurde („die Bauruine ist aus dem Gewässer zu entfernen...”, Zitat aus einem behördlichen Schreiben der BNL Freiburg).

Aber Herr Haupt vom Wasserwirtschaftsamt Rottweil sah sich bei der Projektvorstellung dem „geballten” Zusammenschluß der Gemeinderäte Buchheims und Fridingens gegenüber (vorherige Absprache einer gemeinsamen Sitzung und dementsprechende Stimmungsmache). Diese - obwohl nur im Anhörungsrecht - erzwangen ein schnelles Umfallen des Gewässerwirtschaftlers und die Präsentation der weitaus teureren „Alternativlösungsvorschläge”.

Folgende Argumente wurde dabei hervorgebracht:
„ohne Wehr ein stinkendes Loch”...„Wehraufstau ist ein Biotop”...Bürgermeister Fritz, Buchheim. „Das Wehr ist ein Hochwasserschutz...” so ein Fridinger Gemeinderat, was Herrn Haupt zur Gegenfrage zwang: „auch in gefülltem Zustand?”. „Haben sie die gefangenen Fische vorher reingeworfen?”...Gemeinderat Stehle zu den Ergebnissen der LIMNO-Fischzählung. Bürgermeister Bär drohte sogar mit Wahlkonsequenzen....
Nebenbei: alle Gemeinderäte und Bürgermeister wurden vorab vom BNAN mit einer Unterlagenmappe versorgt. Und: der Schwäbische Albverein war für die Beibehaltung des Wehres.

Im Publikum vertreten waren vor allem die Nutznießer des Aufstaus: Jäger, Angler, Verpächter und Nutzergastronomie, trotzdem nicht mehr als zwei Händevoll „Betroffene”, für die sich die Bürgermeister in einem Ton einsetzten, der mit unhöflich noch freundlich umschrieben ist.

Ohne Aufstau natürliche Donau am StiegelefelsHier nun der am Anfang erwähnte Appell-Brief:

Sehr geehrte Damen und Herren,
mehrfach wurde jetzt in dichter Folge der Schwarzstorch im abgestauten Donaubett vor allem im Bereich NSG Stiegelefels-Scheuerlehof-Jägerhaus beobachtet, wie er die Niedrigwasserstände mit ihren jetzt vielfältigen Uferbereichen (Schotter-Sedimentzungen, Rähen, Schnellen) abschritt und Beute machte. Die Beobachter sind vertrauenswürdig, teils Spezialisten (NABU, Hr.Gauggel, Sigmaringen). Der Vogel ist unverwechselbar.
Laut Einschätzung von Hr.Gauggel liegt es nahe, bei 2 Alt- und 2 Jungvögeln an den ersten Bruterfolg des Schwarzstorches in Baden-Württemberg zu denken. Dies wäre eine Sensation.

Schutz und Förderung wären Gebote der Stunde, deshalb dieses dringliche Schreiben an Sie mit der Bitte um schnelle Unterstützung, denn der Abstauzustand der Donau wird in Kürze durch Baumaßnahmen des Landes (Wasserwirtschaftsamt Rottweil, Umbau Bronner Wehr) wieder beendet. Damit wäre die äusserst günstige Situation für den Schwarzstorch durch „Renaturierungsmaßnahmen” wieder zunichte gemacht.

Wie kam es zu der überraschenden Situation?

Der Abstau des Bronner Wehrs ist eine Renaturierung par excellance und kostet fast nichts:
Die vom Aussterben bedrohten SchwarzstörcheIm Moment ist durch Stillstand der Bauarbeiten (Wasserwirtschaftsamt Rottweil) die maximale Stauhöhe am Wehr um ca.1,20 m abgesenkt, was zur beschriebenen Auswirkung flußaufwärts geführt hat. Damit ist der historische Zustand des Spätmittelalters erreicht (alter Stich im Heimatmuseum Fridingen!). Leider ist für 360.000 DM der Umbau als Rauhe Rampe geplant, obwohl hier die Chance für einen Totalabriß bestanden hätte (Eigentum des Landes, keine Nutzung, totales Fischwanderungshindernis). Die „alte” Aufstauhöhe von 1924 soll auf Lobbydruck hin (15 Angler, 2 Bürgermeister) wieder errichtet werden, was die Fortsetzung der bereits durch die LIMNO-Fischstudie von 1994 reklamierten Nachteile (50%ige Verringerung der Donaufischarten!) bedeuten würde. Damit würde auch dem Schwarzstorch die überraschend entstandene Nahrungsgrundlage wieder entzogen. Die Steilufer mit Wassertiefen über 1,20 m und Hochstaudenfluren sind für ihn nicht begehbar.

Es wäre schlichtweg unverständlich und gemessen an den Zielen von Donau-Renaturierungsprogramm, Natura-2000-Zielsetzungen und künftiger Naturschutzgebietsausweitung auch glatt kontraproduktiv, wenn man jetzt für die teurere Lösung die schlechteren Resultate eintauschen würde. Allen gehörten Gremien waren die LIMNO-Fisch-Ergebnisse schriftlich vorgelegt und erklärt worden.worden. Besonders Bügermeister Fritz aus Buchheim, der den Widerstand organisiert hatte, zeigte sich völlig unzugänglich, wodurch letztlich das Land als alleiniger Eigentümer des Wehrs die Faltblattziele enttäuschend schnell aufgab. Dem pittoresquen Aspekt einer schillernden, breiten Wasserfläche und den Möglichkeiten der Köderfisch-und Netzfischerei wurde so der Vorzug eingeräumt. Es wurde überhaupt nicht der Versuch gemacht, eine durchgehende natürliche Flußlandschaft zwischen Fridingen und Beuron durchzusetzen, die mit Sicherheit nach einigen Anfangsaufregungen allgemeine Zustimmung gefunden hätte. Wie trivial das Niveau der Gegenargumente war, mögen folgende Argumente aus Gemeinderatskreisen aufzeigen: „das Wehr ist ein Hochwasserschutz...” (im gefüllten Zustand??), „Ohne Wehr ein stinkendes Loch...”(bei höherer Fließgeschwindigkeit und Sauerstoffaufnahme an Rähen und Schnellen??.

Die Zukunft bietet insgesamt weitere, hervorragende Verbesserungen im Donauabschnitt zwischen Fridingen und Beuron :

Durch das bestehende Wasserkraftwerk der EnBW (EVS) in Fridingen (Bauzeit 1915-1923) wurde die Situation in der Donauschlinge zwischen Fridingen und Beuron drastisch verändert: die gesamte Wasserführung von Donau und Bära wird seither bis auf einen Rest von 100-400 Sekundenlitern über Turbinen und einen Stollen nach Beuron abgeführt. Damit werden heute 2-3% der Stromversorgung Fridingens erzeugt, was nach der Errichtung einer 110-kV-Leitung von Tuttlingen nach Fridingen als verzichtbar erscheint, besonders dann, wenn die Schäden am Fließgewässer erheblich schwerer wiegen als die geringe Steigerung emissionsfreier Energiegewinnung. Solche sind:

die Wasserqualität im Stauraum Bronnen (Güteklasse II- III : kritisch belastet bis stark verschmutzt) führt zum Badeverbot am Jugendzeltplatz Jägerhaus. Hauptzufluß ist die Fridinger Kläranlage. Deren frühere Phosphateinträge mögen auch Ursache dafür sein, daß die ehemaligen, ausgedehnten Binsen-Schilf- und Irisgürtel heute völlig fehlen. Damit gingen Eiablage-und Jungfischhabitat verloren. Daß es derzeit nicht mehr zu den Totalaustrocknungen der 50er und 60er Jahre (massive Fischsterben) kommt, liegt an den ausgleichshalber erhöhten Durchlaßmengen am Fridinger EnBW-Wehr. Eine Mindestablaßmenge von 200-400 Sekundenlitern deckt jedoch gerade das Notwendigste, um eine minimale Durchflußmenge über die Versickerungsstellen hinweg zu gewährleisten!

Die Chance für die Donau in diesem Abschnitt liegt nun darin, das seit Jahren schwebende Wasserrechtsverfahren für das EnBW-Werk in Fridingen „zur nachträglichen Genehmigung eines höheren Abflusses” endlich abzuschließen.

Die Probleme der „jungen Donau” wären jedoch am idealsten gelöst, wenn man die EnBW (anläßlich der auslaufenden Wasserrechtlichen Genehmigung im Jahr 2013) dazu bewegen könnte, das Wehr in Fridingen ganz zu schließen und Bära und Donau wieder komplett im natürlichen Bett abfließen zu lassen.

Stauweiher Bronnen - Baumaßnahme 2001-2003Auch das EnBW-Wehr in Fridingen ist ein „absolutes Fischwanderungshindernis” und müßte eigentlich nach den Zielsetzungen des landeseigenen Donaurenaturierungsprogrammes, der Wasserrahmenrichtlinie und der FFH-RL der EU ausgerichtet werden. Auf die EnBW als Eigentümer kämen ja erhebliche Kosten zu (Verbesserung Wehr und Bäraeinmündung), so daß sich die Frage der Rentabilität des Werks anders stellen wird. Die Übernahme der gesamten Anlage durch das Land im Rahmen des Renaturierungs-Programmes erscheint als eine Alternative.

Die Aufgabe der Energiegewinnung am Fridinger EnBW-Wehr, die Einleitung der Bära in die Donau und der ganzjährige Durchfluß zwischen Fridingen-Scheuerlehof-Jägerhaus zusammen mit einer Abstauung am Bronner Wehr um 1 m ergäbe für alle eine ideale Lösung:

  1. Die Fischerei hätte ein naturnahes, ja natürliches Gewässer mit 19 Fischarten.

  2. Die Wasserqualität im Fridinger Donaubogen würde ansteigen. Durch vermehrte Hydraulik würden Sedimentation und Faulschlammbildung verringert, durch abwechslungsreiche Sohlstrukturen (Kolke/Schnellen) würden Laichhabitate befördert werden.

  3. Durch 1m Abstau würden die Uferzonen für den Schwarzstorch begehbare Nahrungsbiotope bleiben.

  4. Das zukünftig erweiterte NSG Stiegelefels würde eine erhebliche Aufwertung im Talsohlenanteil erfahren. Die Zielsetzungen der NATURA 2000-Richtlinien und die Renaturierungskonzeption des Landes würden einheitlich in ihren Zielen befördert, ohne daß unvertretbare Kosten entstünden.

  5. Im genannten Flußabschnitt bestehen bereits Bootsfahrverbote, was die Ansiedlung oder den Schutz seltener Arten begünstigt. Die Ufer sind mindestens einseitig kaum oder nicht erschlossen und damit besonders für die Schutzziele geeignet.

  6. Es handelt sich um einen der letzten Donautalabschnitte dieser hohen Qualität, dessen Sicherung unverzichtbar ist.

 

Deshalb dieser Apell:

Helfen Sie mit, den vom Schwarzstorch geführten Beweis für den Sinn eines Abstaus am Bronner Wehr zu realisieren: es bräuchte nur eine geringe Überplanung des vorhandenen Projekts (1 Tag) und etwas Mut von Seiten des Landes, um durch eine niedriger angesetzte Rauhe Rampe am Bronner Wehr ein viel besseres Ergebnis zu bekommen.

Im Bereich der Rauhen Rampe wird gemäß bisheriger Planung um 10 cm abgesenkt werden. Wieso nicht ein Kompromiß von 100 cm?? Ingenieurstechnisch braucht das lediglich vor Ort eingemessen werden, die Materialmenge würde etwas geringer, die Kosten ebenfalls.

Der ökologische Ertrag wäre für die Allgemeinheit und für die Natur enorm. Besonders dann, wenn das Ziel einer Beseitigung oder Entschärfung des EnBW-Wehrs in Fridingen und eine höhere Mindestablaßmenge dort in den nächsten Jahren hinzukommen würden.

Bitte wenden Sie sich direkt oder über uns an folgende Adressen:

Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Stuttgart, Hr. Bodo Krauss, Biotop- und Artenschutz
Regierungspräsidium Freiburg, Fischereibehörde, 79098 Freiburg, Kaiser-Josef-Straße 167
Regierungspräsidium Freiburg, Bezirksstelle für Naturschutz, 79098 Freiburg, Kaiser-Josef-Straße 167
Wasserwirtschaftsamt Rottweil, Hr. Haupt, Fax 0741-243-2751 (Bauausführender)
Landratsamt Tuttlingen, Wasserbehörde, Fax 07461-926-888-157 (Bauausführender)
Landesamt für Umweltschutz Karlsruhe, Fax 0721-9831456, Grießbachstraße 1, Hr. Dr. Marx
Naturschutzbeauftragter, Landkreis TUT, Hr. Mehner, Rubäckerstraße 17
Rathaus Fridingen, Hr. BGM Bär
Naturparkverwaltung Beuron, Hr.Schnek
BUND BW.e.V.
LNV BW e.V.