Bund Naturschutz Alb-Neckar e.V.
  

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Die Botanische Wanderwoche 2011 ins Vinschgau und zur Texelgruppe

Text und Bilder von Bernhard Hahn

Südtirol lockte. Die schönen Berge, die interessante Tier- und Pflanzenwelt, sowie die hervorragende Unterkunft bei Frau Kofler in Völlan zogen uns bei der Wanderwoche 2011 zum dritten Mal dorthin.

Blick auf Meran
Am 11.06. ging die Fahrt mit 47 Teilnehmern bei Regen und Stau über den Fernpass und den Reschenpass, das Etschtal abwärts nach Lana und dann hinauf nach Völlan. Am Pfingstsonntag brachen wir zum Pfelder Hochtal im Texel-Naturpark auf. Zuerst ging es abwärts ins Etschtal, und dann bei Meran das Passeiertal aufwärts. Unser Busfahrer hatte alle Hände voll zu tun um die vielen engen Kurven zu meistern, trotzdem brachte er uns sicher nach Pfelders Plan (1628 m), wo wir talaufwärts zum Lazinser Hof und weiter zur Lazinser Alm (1880 m) wanderten. Zuerst ging es durch ein Waldgebiet, wir fanden das Moosauge (Moneses uniflora), die Rostrote Alpenrose (Rhododendron ferrugineum) und das Fettkraut (Pilnguicula vulgaris). Am Wegesrand standen zwei wundervolle Exemplare der Grünen Hohlzunge (Coeloglossum viride) mit roter Lippe. Weiter ging es die Almwiesen hinauf zur Lazinser Alm, wo man die Milch der dort weidenden Ziegen genießen konnte.
Schachbrett
Zurück ging es talabwärts auf der anderen Seite des Baches. Die Bärtige Glockenblume (Campanula barbata) und die Flockenblume (Centaurea) standen am Wegrand. Einige Teilnehmer gingen den oberen Panoramaweg über die Faltschnalalm und die Grünbodenhütte.

Der nächste Tag führte uns ins Ultental (ultimo = der Letzte). Von Lana fuhr der Bus über enge Kehren nach St. Gertraud; dann mussten wir auf kleinere Busse umsteigen, unser Bus war für den oberen Teil einfach zu lang. Am Stausee Weißbrunner-See begannen wir den Aufstieg zum Fischersee. Oben war es nebelig und es regnete leicht. An den Steinen und Baumstämmen wuchsen überall Becherflechten; von den Ästen hingen Bartflechten herunter und man wurde an einen tropischen Nebelwald erinnert. Dann führte der Weg zur Fiechtalm (2034 m) hinab und weiter wanderten wir zur Enzianwiese. Hier wuchs der weiße Germer (Veratrum album). Einige Mondrauten (Botrychum lunaria) wurden entdeckt und die Grüne Hohlzunge war auch dabei. Es regnete zunehmend stärker und der steile Weg im Wald war unangenehm.
Smaragdeidechse
Am Wege tauchte noch eine Korallenwurz (Corallorhiza trifida) auf und schließlich erreichten wir St. Gertraud. In der Nähe gibt es mehrere Lärchen, denen ein Alter von 2100 Jahren zugesprochen wird – ein eigenartiges Gefühl, vor einem Baum zu stehen, der schon vor Beginn unserer Zeitrechnung gelebt hat.

Der Sonnenberg bei Naturns war unser nächstes Gebiet. Unter der Führung von Herrn Dr. Wessel, der uns auch ausführlich über die Geschichte Südtirols nach dem ersten Weltkrieg berichtete, stiegen wir den steilen Berg empor. Zuerst an Gärten und Bauernhöfen vorbei, dann erreichten wir den Flaumeichen-Mannaeschen-Buschwald. Wie der Name sagt wuchsen hier Flaumeichen (Quercus pubescens), Mannaeschen (Fraxinus ornus) und die Edelkastanie (Castanea satival), die in Südtirol eine sehr große Bedeutung hatte. Wer glaubt, die Nachtigall sei nur nachts zu hören sah - oder besser hörte sich getäuscht. Auch Wendehals (Jynx torquilla) und Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) zeigten sich. Auf einem Stein saß eine Smaragdeidechse (Lacerta bilineata). Sie war sich offensichtlich ihrer Schönheit bewusst, denn sie blieb
Globosa
ruhig sitzen, als sich die Fotografen näherten. Mauereidechsen (Podarcis muralis) waren auch zugegen, zwischen den Steinen wuchs der nordische Streifenfarn (Asplenium septentrionale). Nach oben wurde der Wald spärlicher und wir fanden mehrere Exemplare der Sandsommerwurz (Orobanche arenaria) und die gelbe Schafgarbe (Achillea filipendulina). Jetzt wurde es für die Schmetterlingsfreunde interessant. Der Moorfalter (Erebia) und Bläulinge verschiedener Arten flatterten zwischen den Gräsern hin und her. Eine Krabbenspinne (Thomisida) hatte einen kleinen Fuchs, der um ein Mehrfaches größer war als sie selbst, in den Klauen, beschäftigt ihn auszusaugen. Einige Teilnehmer stiegen anschließend zum Meraner Höhenweg auf, in der Hoffnung noch etwas Neues zu entdecken. Dann ging es zurück zum Bus. Für den Abstieg nahmen wir die Seilbahn zu Hilfe, das war wesentlich bequemer.

Das Ziel des folgenden Tages waren die Hofmahdwiesen von Nonsberg. Herr Dr. Leo Unterholzer begleitete uns. Sehr interessant war sein Bericht über die Entstehung der Alpen und die
Edelkastanie
Tektonik der eurasischen und der afrikanischen Platte. Die Fahrt ging über das Leitental mit dem Falschauerbach. Hier wurden sechs Stauseen zur Stromgewinnung gebaut, die Bewohner dieses Gebiets wurden ohne Rücksicht evakuiert und kaum entschädigt. Für Blumenfreunde waren die Almwiesen ein Gedicht. Sie fanden die Paradieslilie (Paradisea liliastrum), das Mannsknabenkraut (Orchis mascula), die seltene Kugelorchis (Traunsteinera globosa), Alpenaster (Aster alpinus) und die rote Lichtnelke (Silene dioica). Die Abhänge erschienen zum Teil rot durch die Blüten der Rostroten Alpenrose. Auf der Malga Revo-Alm (1705 m) machten wir Mittagspause und stiegen anschließend ab nach Laurein. Groß war die Freude bei den Vogelfreunden, sie entdeckten einen Steinadler (Aquila chrysaetos) und den Wespenbussard (Pernis apivorus). Wir fanden noch das Gefleckte Knabenkraut (Dactylorhiza maculata) und das Veilchen (Viola tricolor). Die Kneippanlage veranlasste einige Teilnehmer die Stiefel auszuziehen und im kalten Wasser zu waten; andere begnügten sich mit
Völlan
Armbädern. Die Rückfahrt ging über St. Felix zur Wallfahrtskirche «Unserer Lieben Frau im Walde» und über den Gampenpass nach Völlan.

Direkt von Lana führt eine Seilbahn und eine Sesselbahn hinauf zum Vigiljoch, ein interessantes botanisches Gebiet, das wir uns für den nächsten Tag vornahmen. Es war wolkenverhangen und nebelig als wir oben ankamen. Auf dem Weg zu Vigil Kirche fanden wir die Mondraute Weiter ging es zur Schwarzen Lake. Auf den Wiesen am Wegrand blühten die Mückenhändelwurz (Gymnadenia conopsea) in großer Zahl, die Höswurz (Pseudorchis albida) und die Trollblume (Trollius europeaeus). Nebelschwaden zogen über die Bäume als wir an der Schwarzen Lake, einem kleinen See, ankamen, um Mittagsrast zu machen. Auf dem Rückweg wurde es feucht. Kurz bevor wir die Vigil Kirche erreichten zog ein Regenschauer über das Gebiet; glücklicherweise war ein kleines Gasthaus in der Nähe, so konnten wir bei einer Tasse Cappuccino den Abzug der Regenfront abwarten. Als wir später mit der
Ährige Glockenblume
Seilbahn in Lana ankamen schien sogar die Sonne durch die Wolken. Am Abend gab es in Völlan ein Konzert. Die Völlaner Bauernkapelle führte uns auf eine musikalische Reise quer durch Europa. Es waren einige anspruchsvolle Stücke dabei, die sie aber gekonnt zu Gehör brachten. Wer einen Nachtspaziergang machte konnte den schnurrenden Ruf des Ziegenmelkers (auch Nachtschwalbe Caprimulgus europaeus) hören.

Schöne Dinge vergehen schnell; an unserem letzter Wandertag fuhr unser Bus ins Pfossental. Wir wurden nicht von der Sonne verwöhnt, es war wolkig aber es regnete nicht. Zuerst ging es durch einen Wald mit alten Lärchen aufwärts. Wir fanden das Mannsknabenkraut (Orchis mascula), das Fettkraut, die Alpenrebe (Clemantis alpina) das Brillenschötchen (Biscutella laevigata) und unseren ständigen Begleiter, die Mückenhändelwurz. Dann blieb der Wald zurück und der Weg ging über eine Weide, auf der wir die Trollblume und den blauen Eisenhut (Aconitum napellus) fanden. Auf der Rückfahrt besuchten wir in Naturns die St. Prokulus Kirche mit ihren Fresken. Diese gelten als die ältesten Wandmalereien in Mitteleuropa und stammen aus
Rosengarten
dem 8. Jahrhundert.

Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns von Südtirol. Wir hatten vieles gesehen und erlebt, die schöne Woche wird uns in guter Erinnerung bleiben. Wir danken Herrn Manfred Aichele und Frau Jo Prinz für die hervorragende Organisation und Durchführung der Reise. Auch unserem Fahrer danken wir, er hat uns sicher und gekonnt durch alle Engpässe der Bergstraßen geführt.

Die nächste Wanderwoche wird an Pfingsten 2012 vom 26. Mai bis 2. Juni ins Lechtal und die Lechtaler Alpen gehen. Alle Teilnehmer sind bereits wieder voller Erwartungen und wir freuen uns alle schon darauf.
MondrauteKohlrösel