Bund Naturschutz Alb-Neckar e.V.
  

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Die Botanische Wanderwoche 2007

Zois-Glockenblume
Die Karawanken trennen das österreichische Staatsgebiet von dem slowenischen. Den Stürmen der Völkerwanderung konnte und kann allerdings auch dieses Gebirge der südöstlichen Kalkalpen nichts entgegensetzen. So kommt es, dass seit über 1000 Jahren im österreichischen Gail-, Rosen- und Jauntal eine slawische Minderheit siedelt und so ist auch zu erklären, dass im grenznahen Bad Eisenkappel neben deutsch und slowenisch auch ein eindeutiger schwäbischer Zungenschlag zu vernehmen war. Zumindest zwischen dem 30. Juni und 7. Juli, als dort die Teilnehmer der Botanischen Wanderwoche des Bund Naturschutz Alb-Neckar e.V. (BNAN) Einzug hielten. Die slowenische Grenze zog uns gleich am ersten Tag magisch an. Der Talschluss des Kotschnatals, in dem die Vellach entspringt, ist dort als Naturschutzgebiet «Vellacher Kotschna» ausgewiesen. Ein ideales Gebiet um sich einzuwandern und zu botanisieren - zumindest im letzten Punkt darf man wohl dieser Meinung sein.

Die für die Randketten der östlichen Kalkalpen typischen Legföhrenbuschwälder warteten mit ihrer typischen Ausbildung des Wimpernalpenrosen-Latschenbuschwaldes (Rhododendron hirsuti-Pinetum mugi) auf. Die Wimper-Alpenrose (Rhododendron hirsutum) konnte von uns leider nur noch abblühend vorgefunden werden. Dafür entzückten einen die reichlichen Alpenveilchen (Cyclame purpurascens), die Breitblättrige Ungarische Witwenblume (Knautia drymeia subsp. drymeia) sowie das Einblatt (Malaxis monophyllos). Beim Aufstieg bis zur Offnerhütte konnte des Weiteren in den Schutthalden der Krainer Kreuzdorn (Rhamnus fallax), in den Felsfluren die endemische Zois-Glockenblume (Campanula zoysii) und in den Hochstaudenfluren die seltene Krainer Lilie (Lilium carniolicum) zusammen mit dem auch bei uns vorkommenden Türkenbund (Lilium martagon) bestaunt werden. Glücklich trotz der botanischen und landschaftlichen Schönheiten am Schluss wieder alle versammelt zu haben, erwartete man schon den zweiten Tag bzw. das Abendessen.

Die Trögener Klamm
Die Trögener Klamm und die Koschuta Schlucht standen nun auf dem Programm, wobei der Koschutabach in den Trögener Bach mündet. Beide Taleinschnitte sind dabei problemlos zu begehen. Die wildromantischen Schluchten hatten auch botanische Schönheiten zu bieten wie bspw. der Österreichische Haarstrang (Peucedanum austriacum) oder der Österreichische Bergfenchel (Seseli austriacum). Nur zwei Vertreter aus der Familie der Doldenblütengewächse möchte ich hier nennen, die wie so oft auch zuerst mal wieder für Verwirrung gesorgt haben.

Aus den tiefen Schluchten wurden wir am darauf folgenden Tag auf den 2139 m hohen, isoliert liegenden und daher für seine endemischen Arten bekannten Hoch-Obir geführt. Infolge seiner solitären Lage ist dieser Berg auch als Aussichtsberg hoch gepriesen. Allerdings packte er sich bei uns mit Wolken ein und zur Begrüßung gab es einen schneidenden Wind. Erwähnt werden sollen hier nur die oberhalb des Latschenbuschwaldgürtels liegenden bunten Matten der alpinen Stufe (ab 2000 m üNN).

Der Star war hier zweifelsohne das nach Schokolade riechende und in den Südostalpen endemische Steineralpen-Kohlröschen (Nigritella lithopolitanica). Daneben konnte mit dem Zwergstendel (Chamorchis alpina) ein weiteres Orchideengewächs gefunden werden. Das Obir-Steinkraut (Alyssum ovirense), der im Kalkschutt ebenfalls gelbblühende Rätische Alpenmohn (Papaver alpinum ssp. rhaeticum), die Sieber-Teufelskralle (Phyteuma sieberi) sowie Unmengen von Alpen-Grasnelken (Armeria alpina) mögen hier, von den vielen anderen botanischen Farbklecksen abgesehen, nur erwähnt sein.

Dann begann es zu regnen. Auf Besserung hoffend, durchwanderten wir am 4.7. die feuchte Tscheppach-Schlucht. Die geologisch interessante und landschaftlich sehr ansprechende Schlucht hatte auch botanisch etwas zu bieten.
Österreichischer Haarstrang
  So der stattliche bis zu 2,50 m hoch werdende Quirl-Haarstrang (Peucedanum verticillare), die Schaftdolde (Hacquetia epipactis) oder mit Silene veselskyi ein endemisches klebriges Leimkraut. Glücklich flüchtete man nach dieser feuchten Erfahrung in den «Deutschen Peter», Österreichs ältestes Gasthaus. Wir erholten uns anschließend in unserer Unterkunft bei Kaffee und Kuchen bestens von den feuchten Erfahrungen.

Der nächste Tag überraschte uns mit blauem Himmel und weißen Bergspitzen. Wir machten einen kurzen Abstecher ins Sablatnigmoor. Dort wurden wir geführt und nebenbei über die politischen Unwegsamkeiten im österreichischen Naturschutz aufgeklärt. Bewunderten aber auch die Blässe der Kleinen Wachsblume (Cerinthe minor) und das Blau des Lungen-Enzians (Gentiana pneumonanthe). Die andere Hälfte des Tages verbrachten wir in selbst gewählter Dunkelheit. Die Obir-Tropfsteinhöhlen waren dafür der Grund. Sie sollen zu den schönsten Schauhöhlen von ganz Österreich zählen. In Verbindung mit dem Bleibergbau wurden diese am Hoch-Obir im Jahre 1870 entdeckt. Daneben durchlöchern den Berg ca. 600 km künstliche Stollenanlagen. Hierzu benötigte der Mensch mehr als 250 Jahre. Er war damit wesentlich schneller und effektiver als Mutter Natur, handwerklich aber leider viel unbegabter. Der erstmals 1696 nachgewiesene Bergbau wurde übrigens in den Jahren 1942 - 1943 eingestellt.

Krainer Lilie
Die Petzen, das 2110 m hohe Grenzmassiv zu Slowenien, erwanderten wir mit Hilfe der Sesselliftbahn am nächsten Tag. Auf dem teilweise vom Wintersport gezeichneten Berg konnte man auf dem Weg zum Gipfel manch interessante botanische Kostbarkeit zwischen dem Latschenbuschwald und in den alpinen Rasen finden. Der kalkholde Berg-Spitzkiel (Oxytropis montana) entzückte dort genauso wie der im kärntnerisch-slowenischen Grenzgebiet endemische Petzen-Blaustrahlhafer (Helictotrichon petzense) und viele andere mehr. Am letzten Abend ließen dann die einen sich ihre neuen gesammelten botanischen Kenntnisse entlocken, während andere ihre Trinkfestigkeit unter Beweis stellten.

So verließen wir die Karawanken mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge. Es blieb uns nur, sich bei unserem bewährten Organisator Manfred Aichele sowie bei Günter Gaßner für seine allseits bereitgestellte botanische Sachkenntnis zu bedanken. Die nächste Botanische Wanderwoche wird uns vom 28.6. bis 5.7.2008 in die Südalpen führen, Ziel ist das Valsugana-Tal im Trientino.

Alpengrasnelken
 
Raetischer Alpenmohn
Obirsteinkraut
 
Einblatt
TürkenbundlilieSteineralpenkohlröschen
Text und Fotos: Stephan Brendle