3. November 2006

Wo Feuerfalter und Wachteln leben

Moor im Upfinger Ried ist regelmäßig Ziel der ehrenamtlichen Helfer

Das Kalkflachmoor im Upfinger Ried ist eine Rarität auf der Alb und gleichzeitig Heimat seltener Pflanzen und Tiere, wie etwa das Randringperlmutterfalters. Um die Pflege dieses Gebietes kümmert sich regelmäßig eine Gruppe des Bundes Naturschutz Alb-Neckar.

Anja Mader

Ernst Mayer (links) und Georg Hägele mähen am Upfinger Moor
und pflegen damit ein wertvolles Biotop. Foto: Anja Mader
Upfingen - Feuchtgebiete sind selten auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb. Regenwasser verschwindet in dem ausgeprägten Karstsystem schnell und tritt meist erst am Fuß der Alb in Karstquellen wieder in Erscheinung. Wasser kann sich auf der Hochfläche nur in Bereichen sammeln, die mit Ton abgedichtet sind oder an Stellen, wo Gestein vorliegt, das kein Wasser durchlässt.

Die feuchten Orte auf der sonst sehr trockenen Schwäbischen Alb verdanken ihre Existenz zuverlässigen Wasserspeichern, die durch vulkanische Aktivitäten vor 15 Millionen Jahren entstanden sind. Bei den Landwirten ist ein sumpfiger Untergrund jedoch alles andere als beliebt, weshalb im vergangenen Jahrhundert viele dieser Biotope trockengelegt wurden. Auch das Kalkflachmoor im Upfinger Ried blieb von solchen Versuchen nicht verschont. Noch heute erkennt man Entwässerungsgräben, die von den Landwirten angelegt wurden.

Anfang der 80er Jahre führte der Bund Naturschutz Alb-Neckar (BNAN) zusammen mit der Ortsgruppe Köngen des Deutschen Bundes für Vogelschutz, dem heutigen NABU, eine Bestandsaufnahme durch und erkannte den ökologischen Wert dieses Gebietes. Schließlich leben hier seltene Tiere, wie etwa der Randringperlmutterfalter oder der lilagoldene Feuerfalter. «Diese Vielfalt liegt am großen Vorkommen des Schlangenknöterichs im Sumpf. Das ist eine Futterpflanze für die Falter», erklärt Georg Hägele vom BNAN. Er leitet einen der zwei Pflegetrupps, die für die Alb zuständig sind.

Auch vielen Vögeln bietet das Biotop in Upfingen eine Heimat: «Wir haben schon öfter festgestellt, dass Wachteln und Braunkehlchen hier vorkommen», erzählt Hägele. Zudem gedeiht im Upfinger Moos das sonst auf der Kuppenalb seltene echte Schilf.

Nach und nach wurden darum vom BNAN Grundstücke im Ried aufgekauft. In Zusammenarbeit mit dem Flurneuordnungsamt Tübingen gelang es schließlich, das komplette Upfinger Ried in einer Größe von gut 5,5 Hektar zu erwerben. 1995 wurde es als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Der Pflegetrupp des BNAN kümmert sich laufend um einen Teil des Gebiets. Zwei Hektar pflegen die ehrenamtlichen Helfer in unregelmäßigen Abständen, um 1,8 Hektar kümmert sich ein Landwirt aus Sirchingen. Der Rest ist die so genannte Kernzone, die komplett der Natur überlassen bleibt. «Im Moor ist es vor allem wichtig, dass ab und zu gemäht wird, sonst würde es komplett verwildern», erklärt Hägele. Einmal jährlich, oder spätestens alle zwei Jahre, rücken er und sein Pflegetrupp deshalb an und kümmern sich um diese Arbeit.

Beim Einsatz am Upfinger Ried bestand die Arbeitsgruppe heuer jedoch nur aus Georg Hägele und seinem Mitstreiter Ernst Mayer. «Wir haben eben manchmal Probleme mit dem Personal», sagt Hägele. Dies bringe so ein ehrenamtlicher Einsatz zwangsläufig mit sich, weiß er aus Erfahrung. Besonders, wenn die Aktionen an Werktagen stattfinden, können sich die Umweltschützer oft nicht von ihren beruflichen Verpflichtungen frei machen.

An den Wochenenden sieht es da oft besser aus: So waren beim Einsatz am vergangenen Freitag im Eninger Arbachtal acht Leute zum Mähen da. Denn das Upfinger Ried ist nicht der einzige Einsatzort der Gruppe, auch in Würtingen, Zainingen und Aichelau trifft man sie des Öfteren an, teilweise kooperieren sie auch mit anderen Umweltschutzgruppen. «Andere machen Nordic-Walking oder sonst einen Sport, wir halten uns auf diese Weise fit», sagt Ernst Mayer grinsend. Ein Sportprogramm, das damit dem Erhalt seltener und schützenswerter Landschaften zugute kommt.