Ohne Sachverstand und Sparsamkeit |
Am 12.Februar 2003 erschien in der Tageszeitung "Südkurier" ein Artikel mit der Überschrift "Biotop oder Barriere? Naturschützer fordern Abbau des Bronner Wehrs im Donautal". Dr. Horst Hipp, der sich für die Beseitigung dieses Wehres einsetzt, schrieb dazu folgenden Leserbrief im "Südkurier": Die Umbaumaßnahme am Stauwehr ist längst entschieden und fast fertig; zum Teil auch ein Verdienst von Heimatkreis und Bund Naturschutz, beide in Fridingen, die sich dafür eingesetzt haben. Jetzt kann man nur noch beklagen, daß die bessere und billigere Lösung vertan worden ist. Nicht der private Naturschutz hat das alles verlangt, sondern das Land Baden-Württemberg selbst durch seine Bezirksstelle für Naturschutz in Freiburg. Die vom Land 1991/92 in Auftrag gegebene Limno-Fischstudie hatte zweifelsfrei gezeigt, daß im Fließteil der Donau 19 Fischarten, im Stauteil aber nur 9 Arten vorkommen. Deshalb wurde eine "durchgängige Umgestaltung" verlangt, was sich im übrigen mit den Abbau- und Entstauungszielen des ebenfalls landeseigenen "Integrierten Donauprogramms" (1994) deckt. Auch die Europäische Union hat eine rechtsverbindliche Richtlinie ins Leben gerufen (WRRL, 2000), die dasselbe verlangt. Wieso kommt es nun zu einer zehn mal so teuren "Kompromißlösung"? Weil es das Land als Alleineigentümer von Wehr und Wasserrecht wieder mal "selbst im eigenen Haus" nicht geschafft hat, die billigste und beste Lösung durchzusetzen. Es genügen bei uns im Donautal zwei Bürgermeister und 20 Hobbyangler, um Sachverstand und Sparsamkeit flüchten zu lassen. Das Land und seine Ämter haben oft beklagenswert wenig Standvermögen, selbst vor schwachen Argumenten. Nimmt man die Einlassungen der Lobbyisten unter die Lupe, dann fließt bei denen das Wasser bergauf, dann trägt ein volles Staubecken zum Hochwasserschutz bei und es hat stehendes Wasser mehr Sauerstoff als fließendes...Solchem Unsinn hat man sich gebeugt, und der Steuerzahler darfs bezahlen. Die Donau zwischen Fridingen Beuron leidet demnach weiter an der widernatürlichen Stauhaltung (Gewässergüteklasse II bis III, das heißt kritisch belastet bis stark verschmutzt). Dem Schwarzstorch (mutmaßlich erstmals hier brütend) ist ein Nahrungsbiotop genommen. 25 Prozent der historischen Fischarten sind in der Donau verschwunden, vorrangig durch den Verlust der ehemals ausgedehnten Binsen- und Schilfgürtel, durch die Gewässerbettverschlammung, die Stauhaltungen und die Wanderungshindernisse. Die Fangerträge gehen immer noch zurück, die Fische schmecken morastig. Können Angler und Bürgermeister das bei intensiverem Nachdenken wirklich wollen? |