19. März 2007

Biosphärengebiet - Forstdirektor a. D. Dieter Dobler ist begeistert vom Baumbestand
in den künftigen Kernzonen. Bund Naturschutz Alb-Neckar, BNAN, zieht Jahresbilanz

Günter Künkele geht

von Patricia Kozjek

MÜNSINGEN. «Naturschutz ist kein Luxus, sondern Lebensgrundlage der Gesellschaft, Kinder und Nachkommen». Diese Worte von Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte Günter Künkele, Vorsitzender des Bund Naturschutz Alb-Neckar (BNAN), seinem Jahresbericht im Gasthof Herrmann in Münsingen voran.

Brennpunkt der BNAN-Arbeit sei und bleibe das Biosphärengebiet Schwäbische Alb, doch dürfe man bei aller Euphorie über dort entstehenden Tourismus, die Erweiterung des Wegenetzes und die «angebliche sanfte Nutzung», den wahren Naturschutz «nicht mit Life-Style-Gehabe mit naturschützerischem Touch» verwechseln, warnt Günter Künkele, der nach zwölf Jahren als Vorsitzender sein Amt aus gesundheitlichen Gründen jetzt niedergelegt hat.

Fünfzig Kernzonen

Mit weiteren Wegeöffnungen und Loipenspuren auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz verstärke sich die Sorge, so Künkele, dass falsche Entwicklungsrichtungen eingeschlagen werden. Empörung und Ärger drückte er in dem Zusammenhang über die bisherige Kooperation und «lapidaren Informationsschreiben» des Landratsamtes Reutlingen aus. Hier würden kurzfristig Verordnungen in Kraft gesetzt, ohne umfassende Bestandsaufnahmen und Prüfung aller naturschutzrechtlichen Parameter vorgenommen zu haben.

Dabei handle es sich beim Biosphärengebiet nicht um irgendein Recht, sondern um Europäisches Naturschutzrecht. Hier sei vonseiten der Naturschutzverbände eine «Wachhundefunktion» zwingend: Notfalls werde «das Bellen» bis nach Brüssel zu hören sein, kündigte Künkele für den BNAN an.

«Auf der Alb gibt es fast alles», stellt Forstdirektor a. D. Dieter Dobler in seinem imposanten Vortrag zum Thema Bannwald fest. In den 50 Kernzonen des Biosphärengebietes sei eine hochinteressante Waldgesellschaft zu finden, wenn nicht gar «ein wahres Eldorado an Baumbestand». Ein Bannwald sei eine «echte Herausforderung» mit eigendynamischer Entwicklung, erklärte er.

Über 2 000 Hektar und 45 Zonen wurden von ihm und Künkele zur Sichtung und Bestandsaufnahme abgelaufen. Die Benotung, wenn es um Punkte wie: Naturnah, Struktur, Vernetzung und Störung ging, wurde von den Fachmännern als sehr hoch eingestuft.

Doch standen nicht nur Benotung und Neuwahlen in der Versammlung an, auch eigene Zahlen des Vereins waren von Interesse. Ein Überschuss von 7 345 Euro konnte in 2006 erwirtschaftet werden. Hinter diesen Zahlen stecke viel Zeit und Engagement der Mitglieder, stellte Schatzmeister Manfred Aichele fest.

Werner Hiller an der Spitze

Standing Ovations und manche Träne gab es bei der Verabschiedung von Günther Künkele von der Kommandobrücke: «Eine Ära geht zu Ende», würdigte Dr. Konrad Münch dessen Arbeit. «Der Verein hat Bundesverdienstkreuzträger Künkele sehr viel zu verdanken und er ist und bleibt schlichtweg der Kenner des Platzes».

Werner Hiller wurde zum neuen Vorsitzenden, Heinz Veres zu seinem Vize gewählt. Die neuen Vorstandsmitglieder sind Dr. Konrad Münch, Dr. Martin Kley, Horst Kübler und Bruno Roth.