FFH- und Vogelschutzgebiet Bäratal/Oberes Donautal.
Kein Schutz vor Asphaltierung !?

Durch definitive Meldungen ist das Bäratal seit 2001 FFH-und Vogelschutzgebiet geworden. Zwar wurde es bisher durch die L 440 (Balingen-Bodensee) längsgeschnitten, zeichnete sich aber durch relativ langstreckige Zonen ohne touristische Nutzung rechts und links des Verkehrsbandes aus. Wer sich trotzdem hineinverirrte, fand es wegen der dauernden PKW-und Motorradbeschallung (Wochenendrennstrecke) weniger erstrebenswert, wiederzukommen. Außerdem gab es bisher in längeren Talabschnitten kaum aneinandergereihte Wege bzw. Fahradwege. So schliefen viele Talbereiche einen vorteilhaften Dornröschenschlaf, bis, ja bis sie jetzt wachgeküsst werden...von wem?

Roland Ströbele, Ex-MDL und Ex-Bürgermeister von Fridingen, Bürgermeister in Bärenthal und Vertrauensobmann des dortigen Schwäbischen Albvereins SAV, bewies seine erschließerische Tatkraft auch am neuen Wirkort. Trotz leerer Haushaltskassen gelang es ihm mit den anderen Verbandsbürgermeistern zusammen, 450.000 Euro vom Verkehrsministerium für einen Radweg zwischen den Gemeinden Bärathal und Fridingen zu holen, der in manchen Teilen eine Wegneuanlage ist, generell aber Kontinuität und Befahrbarkeit herstellt, wo dies früher nicht möglich war.
Da der BUND e.V. in Tuttlingen als anhörungsberechtigter Verein sein Ja-Wort nur dem naßgebundenen Ausbau gab und auch der "alte" Gemeinderat in Fridingen eine Asphaltierung ablehnte, wurde auf "neue" Mehrheitsverhältnisse gewartet. Diese ergaben sich dann wenig später für die Asphaltierung auch in Fridingen.

Die zweifelhafte Baumaßnahme wurde dann durchgeführt: in zwei Landschaftsschutzgebieten, im FFH-Gebiet, zwischen angrenzenden 24a-Biotopen und durch das flächenhafte Naturdenkmal "Bäraaue" hindurch. Planungsträger waren die beiden Gemeinden, Fridingen federführend. Mit der Planung war das Straßenbauamt Donaueschingen beauftragt.

Die Naturschutzbehörde in Tuttlingen kam zu der Überzeugung, daß ein durchgehender Asphaltweg "nicht als erheblich" beurteilt werden müßte. "Einer UVP bedurfte es nicht, da sie für den Bau eines Radweges nach dem zur Zeit in BaWü geltendem EU-Recht nicht zwingend vorgeschrieben ist"."Einer weiteren Verträglichkeitsuntersuchung nach FFH-Richtlinie bedurfte es u.E. nicht, da nach unserer Einschätzung die Erhaltungsziele dieses FFH-Gebeits nicht erheblich gefähdet sind und der Ausbau nicht die nach Richtlinie "gemeinten" Lebensräume zerstört." (Schreiben vom 14.11.2002).

Wir möchten diese Einschätzung per Internet zur Diskussion stellen und bitten um Rückmeldungen!
Denn:

Die Teerung im Bäratal und im Oberen Donautal geht weiter, und das im FFH- und Vogelschutzgebiet "von europäischer Bedeutung".

Der Radweg soll in derselben Qualität weiter verlängert werden und über Egesheim zum Lochen führen (Nordverlängerung). Im Süden ist zu befürchten, daß die Asphaltiererei auch ins Zentrum des Donaudurchbruchs (Fridingen-Scheuerlehof-Jägerhaus-Beuron-Wildenstein) weitergeführt werden wird. Im November 2001 wollte BGM Fritz (Buchheim) 160.000 Euro aus dem Ausgleichsstock für die Teerung des Bachtalweg (Buchheim-Richtung Jägerhaus) beantragen. Bürgermeister Bucher (Beuron) hob auf das Modell Bäratal ab, als er für 100.000 Euro die Teerung des Wanderwegs zwischen Donautalhaus und Hausen i.T. verlangte. Auch hier spielen leider Teile Schwäbischen Albvereins wiederum eine Vorreiterrolle: ausgerechnet dieser traditionelle und verdienstvolle Wanderverein läßt es zu, daß seine Ortsgruppe Hausen i.T. die Teerung eines der ältesten und schönsten Wanderwege im Oberen Donautal verlangt! Noch peinlicher ist der Umstand, daß in den Genuß der Teerung ein SAV-Mitglied gelangen würde (Anlieger Donautalhaus), der sich durch Aufstellen von Protestschildern (Achtung! Schlaglöcher dank "Naturschützer") hervorgetan hat und das Alpenbockvorkommen lächerlich machte.

Am Ende steht der zusammenhängende Radweg Donaueschingen - Ulm auf Asphalt. Die Wanderer bleiben auf der Strecke.

Und noch eine Gefahr: zusätzliche Wanderwege, weitere Zerschneidung!

Da durch Tempo, Autos, Motorräder, Skater und steigende Bikerzahlen schon heute geteerte Donautalradwege für Wanderer, insbesondere Familien mit nicht angeleinten Kindern nicht mehr benutzbar sind (Rempeleien, Pöbeleien, Unfälle, böse Worte) ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Gedankenspiele von Entflechtung Wirklichkeit werden. Was das bedeutet, mag man sich am Beispiel Fridingen-Ziegelhütte-Scheuerlehof-Jägerhaus vorstellen: bereits in der Schublade liegen Pläne eines zusätzlichen Wanderwegs für Fußgänger links der Donau, wo bisher gar keiner ist. Das würde mitten durch das in Erweiterung begriffene Naturschutzgebiet Stiegelefelfelsen führen, mitten durch Pflegeflächen für den Apollofalter und die Spanische Flagge, mit Hängesteg am Bettelmannfels und zusätzlicher Brücke irgendwo zur Jägerhausgastronomie hinüber. Ein Horrorszenario, ausgelöst durch die Geister, die man ruft.

Alle diese Erschließungs-und Steuerungsmaßnahmen werden sich schädlich auf das europäische Netz NATURA 2000 auswirken. Wie soll das Land so dem Rechtsauftrag "Bewahrung und Entwicklung" nachkommen.

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